Toni - Old but Gold - Erzähl mir deine Geschichte

Aktualisiert: Apr 9

" Könnte ich ihn doch nur fragen..."


Es ist der 11. Mai 2018.

Es ist ein sehr warmer und sonniger Tag. Die Vögel zwitschern und ich liege mit meinem 12 Jahre alten weißen Schäferhund "Toni" in unserem Garten. Er liegt an seiner Lieblingsstelle unter einem Busch im Schatten. Er sieht glücklich und zufrieden aus. Ich gebe ihm ab und zu eines seiner Lieblingsleckerlies und streichle ihn.

Tonis Weisheit und Ruhe im Alter liebte ich

Gestern habe ich mich entschieden Toni für immer gehen zu lassen.

Schon vor einiger Zeit habe ich ihm versprochen, dass ich auf keinen Fall möchte, dass er leidet. Tatsächlich habe ich Gespräche mit ihm geführt und ihn darum gebeten, dass er mir ein Zeichen gibt, wenn er nicht mehr kann.

Gestern bin ich noch einmal mit ihm zu seiner Lieblingsstelle gefahren. Ich wollte wissen, ob es in ihm die Lebensgeister weckt. Ist da noch was? Eine Funke der überspringt, wie es immer war, sobald wir an diesen Ort kamen?

Wir sind angekommen an diesem wunderschönen Platz, mit seinen weiten Wiesen und den Bäumen. Ich habe das Auto geparkt, half ihm aus dem Kofferraum und er ist den kleinen Damm hochgewackelt - und stand. Er ging einmal kurz nach links, senkte den Kopf um zu schnuppern und stand dann wieder an einer Stelle. Ohne Regung. Ich merkte, er möchte nicht laufen. Er hatte Schmerzen. Irgendwann kam er auf mich zu gehumpelt. Er blieb vor mir stehen, schaute hoch zu mir.

Sein Blick sagte unmissverständlich :"Du, ich mag nicht mehr."


Ein Traum wurde wahr

Aber jetzt erstmal zurück ganz auf Anfang.

Toni kam zu uns im Dezember 2005, kurz vor Silvester. Es war eine Nacht-und-Nebel-Aktion von meinem damaligen Partner. Tatsächlich war ich stinksauer, denn im Gegensatz zu ihm wusste ich, welche Verantwortung nun auf mir lag.

Ich wusste nix von den Plänen meines Exfreundes. Er fuhr zu einem privaten Züchter ins Allgäu und packte den einzigen Zurückgebliebenen des Wurfes ein. Die ersten Wochen seines Lebens verbrachte Toni auf einem Bauernhof. Dort wurde er geboren. Viel mehr weiß ich nicht.

Das erste Mal begegneten wir uns, als ich zum Auto gerufen wurde und mein Exfreund mit dem Ausruf: " Überraschung!" die Autotür öffnete und hinten auf der Rückbank in einem Korb mich ein plüschig, weißes Fellknäuel neugierig anschaute.

Toni - Kurz nach seiner Ankunft bei uns

Mein Gefühl schwankte zwischen Entzücken und Wut. Denke dies war auch die Mischung aus denen meine Tränen entstanden. Blitzartig wurde mir klar, dass sich mein Leben nun verändern wird und ich dieses kleine Geschöpf niemals wieder gehen lasse.

Die kommende Zeit mit Toni war wunderbar. Er war ein neugieriger kleiner Kerl, der liebenswert und pfiffig durch die Welt ging. Seinen Namen bekam er tatsächlich wegen Toni Schumacher, der deutsche Profitorhüter. Wenn ich damals mit ihm Fußball spielte, ging kein Ball ins Tor.

Toni war für mich mein erster eigener Hund. Da wollte ich alles richtig machen.

Bis eine Hundeschule gefunden wurde, die mit Trainingsmethoden arbeitete, mit denen wir uns identifizieren konnten, verging eine halbe Ewigkeit.

Toni und ich waren bald nur noch zu zweit. Die Beziehung brach auseinander und nach einem kurzen Trennungshund-Drama, lebte Toni bei mir.

Alles andere hätte ich auch niemals zugelassen.


Vom rebellischen Teenie zum Streber

Die anfängliche Entspanntheit und das treue Hinterhergetapse schlug ganz schnell in rüpelhaftes Verhalten in der Pubertät um. Alles normal denkt man sich. Trotzdem war das für mich eine wirklich anstrengende Zeit. Ich führte sogar ein Tagebuch. Wenn ich jetzt manchmal darin lese muss ich schmunzeln. Hätte ich da gewusst, dass es tatsächlich nur eine Phase war und Toni mir viele Jahre als - ja - fast Streber schenkte.

Ich nannte ihn gerne Streber. Er wollte gefallen, was natürlich auch an seinem Schäferhund-Gen lag. Ganz bestimmt. Toni und ich wurden ein tolles Team. Er begleitete mich fast überall hin.

Eine schöne Erinnerung sind unsere gemeinsamen Urlaube. Nordsee und Bretagne unter anderem.

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Toni und Gizmo in den Dünen der Bretagne

Immer dabei war sein bester Kumpel Gizmo auch ein weißer Schäferhund.

2009 kam meine Tochter zur Welt und Toni wurde gleich in alles mit eingebunden. Er lag neben uns, wenn ich meine Tochter stillte und er harrte aus, wenn die Nächte mal durchgeschrien wurden. Meine Tochter wurde mit Toni groß und Toni akzeptierte das neue Familienmitglied sehr schnell. Toni war ein Beschützer. Schon alleine seine Erscheinung ließ manchmal Menschen, die uns entgegenkamen die Straßenseite wechseln. Oder aber es gab Ausrufe wie: "Schau mal Mama. Ein Eisbär!" oder "Ein Wolf!" Ohne Frage, diese Rasse fasziniert und es gab viele Bestauner, die stehen blieben und Toni bewunderten. Tatsächlich weiß ich nicht, ob ich mich jemals für diese Rasse entschieden hätte, hätte ich mir selbst einen Hund geholt. Die Absicht meines damaligen Freundes war sicherlich vor allem genau diese Bewunderer hervorzulocken.

Meine Tochter und Toni - ein tolles Team

Toni war ein Schlichter. Er hatte eine wunderbare Art zu vermitteln und zu kommunizieren. Ganz klar und liebevoll.

Er kam dadurch selbst mit schwierigen Hunden sehr gut klar und war ein gerngesehener Gassibegleiter.

Seine Geduld und Ruhe halfen mir auch, als ich mich 2015 entschied, Tierfotografie anzubieten. Mein erstes Model war natürlich Toni.

Ich weiß, dass er es nicht gerne gemacht hat, aber tat es, weil er spürte, dass es wichtig für mich war. Dafür danke ich ihm heute noch.

Und es gab noch den anderen Toni, der den Schelm im Nacken hatte und unglaublich gerne Späße trieb.

Er war verspielt und forderte einem regelrecht auf Faxen zu machen. Ich stieg da nur zu gerne mit ein.


Die alten Tage sind etwas ganz besonderes

Toni war ein gesunder Kerl. Keine Hüftdysplasie oder sonstige Erkrankungen. Kleine Verletzungen wie eine aufgeschnittene Pfote waren schon das Schlimmste.

Irgendwann kamen dann die Alterserscheinungen. Die Augen wurden trüber und ich bemerkte, dass Toni öfter mal Baumstümpfe und Straßenschilder anbellte. Bekannt ist, dass weiße Hunde eher zu Blindheit neigen und ich hatte schon so meine Befürchtungen. Aber ein Besuch bei einer Tieraugenärztin zeigte, dass Toni an einer ganz normalen Alterstrübheit der Augen litt.

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Toni - Beim "Old but Gold"-Shooting bei mir im Studio

Bis auf ein paar Alterszipperlein genoss Toni sein Leben. Da bin ich mir sicher.

Im hohen Alter war das Gehen für Toni immer mehr mit Schmerzen verbunden.

Das lag an der fortschreitenden Arthrose. Schmerzmittel und Physiotherapie linderten zwar etwas sein Leiden, aber irgendwann half auch das nicht mehr. Die letzte Instanz war dann Cortison. Ich habe lange überlegt es zu verabreichen. Viele meiner Freunde und Bekannten sagten mir dann aber, dass sie dadurch noch viele schöne Monate mit ihrem Hund hatten. Das war natürlich eine schöne Aussicht und wir versuchten es. Toni vertrug das Cortison leider überhaupt nicht. Sein Zustand verschlechterte sich eher und wir standen zusammen auf dem Damm an unserem Lieblingsplatz und er sagte mir deutlich, dass er nicht mehr mag...



Der Abschied

Zurück zum 11.05.2018 in meinem Garten.

Der Tierarzt kam verspätet, was mich unglaublich wütend machte und mich durcheinander brachte.

Toni und ich verbrachten schon den gesamten Vormittag im Garten und ich wartete praktisch auf den Mann, der meinem Hund erlöste. So viele Gedanken schießen mir durch den Kopf: "Ist es der richtige Zeitpunkt?" "Vielleicht geht es ihm morgen besser?" "Fühlt er sich wirklich so schlecht, dass er erlöst werden muss?" "Gebe ich zu früh auf?"

Aber auch hier im Garten bestätigte sich das Gefühl, dass es Zeit war. Seit er sich in den kühlen Schatten unter dem Busch gelegt hatte, war er nicht mehr aufgestanden. Nicht einmal.

Dann kam die Injektion. Er stand auf, er war aufgeregt. Tierärzte waren nie sein Ding und er begann zu hecheln. Ich schloss ihn fest in die Arme und flüsterte ihm alles, was mir noch einfiel in diesem Augenblick in sein Ohr, während Toni langsam auf den Boden sackte. "Danke für Alles, Großer", "Wir werden dich nie vergessen", " Ich liebe dich"...

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Toni im Waldpark

Meine Tochter war zu einer Freundin nach der Schule gegangen und wusste nicht, dass ich Toni erlösen ließ. Nachdem der Tierarzt gegangen war, holte ich sie dort ab und sagte ihr, dass Toni jetzt für immer schlafe. Er liege noch in uns unserem Garten und sie kann sich verabschieden. Im Nachhinein war es die beste Lösung. Sie konnte sich auf ihre Art und intensiv von ihm verabschieden. Sie bürstete ihn und trug all seine Lieblingsspielsachen und auch Leckerlies zusammen und legt sie zu Toni. Sie sprach mit ihm und war sehr besorgt, dass es ihm auf seiner letzten Reise gut ging. Es war fast eine meditative und schöne Zeit die wir mit Toni noch verbrachten, bis der Mitarbeiter des Krematoriums kam.

Er war alleine und mir war klar, dass ich ihm helfen musste, meinen Toni vom Garten in seinen Kleintransporter zu schleppen.

Ich bin mir sicher, dass Toni mir diese letzte Aufgabe noch aufgetragen hat.

Ich hatte das erste Mal in meinem Leben akute Rückenschmerzen danach, die fast 4 Wochen anhielten. Ich musste fast bei jedem Ziepen und Stechen ein bisschen schmunzeln. Meine Tochter und ich saßen dann auf der Eingangstreppe zum Haus und winkten dem Transporter hinterher. Tränenüberströmt. Jetzt ist er weg - für immer.


Wir vermissen ihn immer noch schrecklich. Toni hat einen Platz bei uns zuhause gefunden in einer Urne, die meine Tochter selbst bemalt und gestaltet hat. Einen kleinen Altar. Dieser ist besonders für meine Tochter wichtig. Auch ich spreche manchmal mit ihm und lege meine Hand auf die Urne.

Oft frage ich Toni, ob es denn alles gut war, wie es war. Ob er denn überhaupt schon gehen wollte. Das nagt bis heute an mir.

Könnte er doch nur antworten...



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