Balou - Old but Gold - Erzähl mir deine Geschichte

Aktualisiert: Apr 9

"Ein römischer Kaiser im Chihuahua-Fell"


Es ist der 21. Januar 2021.

Ich sitze in meinem Vorzimmer zum Studio bei Tee und Kuchen.

Gegenüber sitzt Madeline. Sie ist heute mit Balou bei mir zum Old but Gold - Shooting.

Balou drückt sich mit seinem kleinen Körper an meine Füße. Er schmiegt sich daran, als möchte er dadurch eine Verbindung aufbauen. "Er ist so winzig", denke ich, "und so ganz untypisch für einen Chihuahua."

Balou wird bald 14 Jahre alt - ein ganz besonderes Kerlchen der Kleine

Dabei hatte ich ganz ehrlich noch nicht so viele Begegnungen mit dieser kleinsten Hunderasse der Welt. Es liegt mir auch fern, hier zu generalisieren.

Dieser kleine Kerl hat eine wahnsinnig starke Aura. Eine innere Größe, eine ungewöhnliche Ruhe und Weisheit, die er ausstrahlt.

Madeline ist ihm da sehr ähnlich. Auch sie ist eine junge Frau, die Ruhe ausstrahlt.

Die beiden habe eine wunderbare innige Verbindung. Madeline spricht mit Balou sehr respektvoll und es besteht ebenso ein wortloses Verstehen.

Es gibt veganen Apfelkuchen und Kräutertee und ich freue mich auf die Geschichte der beiden.


Balou sollte eigentlich nicht bleiben

Während ihrer Zeit als Studentin kam Balou als Pflegehund zu Madeline. Das war 2007.

Balou kam in einem Wurf Langhaar-Chihuahuas am 24.3. im selben Jahr zur Welt. Er war eine sogenannte Fehlfarbe. Sein Fell ist blau, eher matt und struppig als glänzend.

Diese Art der Fehlfarbe neigt zur Nacktheit. So geschah es auch, dass Balou im Alter von einem Jahr fast sein gesamtes Fell verlor.

Madelines Oma strickte kleine Mäntelchen für ihn, die ihn vor der Kälte schützten.

Madeline und Balou - Sie verbindet ein starkes Vertrauen

Für Madeline war schnell klar, dass sie Balou nicht mehr hergibt. Balou ist auch in anderen Dingen ein besonderer Hund. Angefangen von der schon erwähnten Fehlfarbe, ist der kleine Kerl einfach ein Traumhund. Morgens schläft er lange und ist rundum gelassen und ruhig.

Er bellt nicht an der Tür und benimmt sich ansonsten einfach vorbildlich. Ein absoluter Traumhund - ok... er schnarcht.

Und das am liebsten mit seiner Wärmflasche von Winnie Puh mit Tigger drauf. Madeline meinte, die liebt er über Alles.

Balou geht mit zur Arbeit. Er ist durch und durch ein Bürohund. Madeline arbeitet in der Verwaltung einer Universität und dort ist er nicht mehr wegzudenken.

Tatsächlich haben mehrere Kollegen ihr Bürozimmer mit einer Liegestelle und immer greifbare Leckerlies für Balou ausgerüstet. Wenn er vorbeischaut ist er herzlich willkommen.

Balou ist stetig an Madelines Seite. Es passiert sehr selten, dass Balou einem Menschen begegnet, den er nicht mag und ihm die kalte Schulter zeigt, denn Balou ist sehr menschenbezogen. Passiert es aber trotzdem und der Zweibeiner passt ihm nicht, dann ist sicher, dass Madeline den Menschen ebenso nicht besonders sympathisch findet.

Diese Liebe zu Menschen zeigt er mit Körperkontakt. Balou liebt Füße. Da drückt er sich mit seinem kleinen Körperchen dran und möchte am besten noch gestreichelt werden. Ein unglaublich süße Eigenart, die mich dahinschmelzen lässt.

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Leider gab es vor Weihnachten keine guten Nachrichten beim Tierarzt

Sein Verhalten ähnelt auch mehr einem großen Hund. Also nicht so seiner Größe entsprechend. Das mag daran liegen, dass Balou seine ersten Jahre in einem Rudel mit den typischen 'kniehohen' Labrador-/Border-Collie/etc.-Mischlingen verbrachte. Auch bei den Gassirunden waren es eher die größeren Hunde, mit denen er sich umgab.

Er spielt nicht gerne mit seinen Artgenossen, verbringt aber gerne Zeit mit ihnen.

Was er überhaupt nicht mag, sind unruhige und aufdringliche Hunde. Das mag an seinem Bandscheibenvorfall liegen, den er erlitten hat.


Ich dachte er wird uralt...

Balou hat bald seine stolze 14 Jahre erreicht. Wenn man bedenkt, dass der Chihuahua nicht nur der kleineste Hund der Welt ist, sondern auch noch die höchste Lebenserwartung hat, dann kann man da gut und gerne noch ein paar Jährchen drauf rechnen. So dachte Madeline.

Es kam aber leider anders und die Lebenserwartung des kleinen Kerls ist leider auf nur noch ein paar Wochen oder wenige Monate geschrumpft.

Immer zusammen - Balou und Madeline

Kurz vor Weihnachten erkannte der Tierarzt ein Karzinom hinter dem Auge von Balou. Über die Weihnachtsfeiertage war nicht klar, in wieweit der Krebs schon fortgeschritten war und ob er behandelbar oder sogar operativ entfernt werden kann. Leider hat sich herausgestellt, dass der Krebs nicht operabel ist und weiter wächst. Durch die Vergrößerung kommt er dem Gehirn immer mehr gefährlich nahe.

Nach einem Gespräch mit dem Tierarzt war klar, dass Balous Zeit nun sehr beschränkt ist. Er sprach von ein paar Wochen oder wenige Monate.

Wenn man den kleinen Kerl so sieht, sieht man zwar einen Hund im fortgeschrittenen Alter, jedoch auch einen fitten kleinen Charmeur.

Einzig allein manchmal sein Röcheln, dass durch kurze Anfälle hervorgerufen wird, zeigt, dass Balou nicht gesund ist. Grund dafür ist ein Trachealkollaps an dem Balou leidet. Dieser wird mit Medikamenten gut unter Kontrolle gehalten.

Die Hoffnung bleibt bei Madeline, dass Balou doch noch länger bei ihr bleibt und sie mit seiner inneren Stärke, die eines römischen Kaisers gleicht, begleitet.

Madeline hat mit mir auch über ihre Ängste gesprochen. Ihre größte Angst ist, dass Balou qualvoll sterben muss. Dass sie ihm nicht helfen kann, wenn es zu einer akuten Atemnot kommt. In der Endphase des Lebens eines Tieres entsteht oft leider diese Hilflosigkeit des Besitzers. Gepaart mit Ängsten und auch Zweifel, ob man das richtige tut.

Leider kommt hinzu, dass Frauchen oder Herrchen diese Zeit alleine durchstehen müssen. Vom Tierarzt kommt meist die medizinische Hilfe aber die Unterstützung im Umgang mit der Sterbephase des Tieres bleibt jedoch im Hintergrund.

Seit einiger Zeit befasse ich mich mit der Sterbebegleitung bei Tieren. Dieses Thema kam immer wieder in meinen Kopf. Es müsse doch eine harmonischere Art und Weise geben, diese Zeit vor dem Ableben und auch die Zeit danach, zu erleben? Der Verlust bleibt und auch die Trauer, aber vielleicht ist es möglich, es mit weniger traumatischen Erinnerungen und Gefühlen in seinem Leben weiterzutragen. Ich bin mir sicher, dass dies möglich ist.


Vielen Dank, liebe Madeline, dass du uns deine Geschichte erzählt hast.

Ich wünsche dir eine wundervolle, schmerzfreie und harmonische Zeit mit Balou.




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